Das Brachpieper Projekt in der Nemitzer Heide

Projekt zur Förderung des Brachpiepers (Tawny pipit, Anthus campestris) sowie weiterer gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der Sandheiden im FFH- und EU-Vogelschutzgebiet „Nemitzer Heide“

Im Jahr 2007 galt der Brachpieper in ganz Niedersachsen als ausgestorben- bis auf das letzte Vorkommen in der Nemitzer Heide. Aber auch hier gingen die Bestände seit 1986 kontinuierlich zurück. Besetzte die seltene Vogelart anfangs noch bis zu 66 Reviere auf der ehemaligen Brandfläche, so sank die Population kontinuierlich bis heute auf unter 10 Reviere.
Der Steppen- und Halbwüstenbewohner ist auf große, zusammenhängende Offenlandflächen angewiesen, die zudem einen großen Anteil freier Sandflächen aufweisen. Einerseits verlor die Art durch Wiederaufforstung größere Gebiete, zusätzlich wuchsen immer mehr Sand- und Offenlandflächen zu. Die Schafbeweidung in den übriggebliebenen Heideflächen reichte augenscheinlich nicht aus, um die für den Brachpieper lebensnotwendigen Biotope zu erhalten.

Im Jahr 2004 wurde von unserem Büro in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Vogelschutzwarte ein Hilfsprogramm entwickelt, aus dem dann 2008 das „Brachpieper- Projekt“ entstand. Innerhalb dieses auf mehrere Jahre von der EU, dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Lüchow Dannenberg geförderten Projektes, dessen Träger der Naturpark Elbhöhen – Wendland ist, wurden umfangreiche Maßnahmen im FFH- und EU – Vogelschutzgebiet Nemitzer Heide durchgeführt. Dabei wurden in ehemalig besetzten Brachpieper – Revieren Kiefern entfernt, Sandflächen wieder freigestellt, Heide wurde in besonders stark zugewachsenen Flächen verjüngt und ihre Struktur aufgelockert,. Dies geschah mit speziell dafür konzipierten Maschinen: „Schoppern“ und „Plaggen“ nennt man die Maßnahmen der Heidepflege, wobei beim Schoppern ca. 2 cm der obersten Bodenschicht abgetragen wird. Beim Plaggen wird tiefer in den Boden eingegriffen (ca. 4 cm), darunter liegende Sandschichten werden freigelegt.
Zusätzlich wurden insgesamt 16 ha Kiefernstangenforst an mehreren Stellen im Vogelschutzgebiet abgeholzt, um ehemals zusammenhängende Brutbiotope wieder miteinander zu vernetzen. So entstanden für den hauptsächlich am Boden lebenden Brachpieper typische offene, mosaikartig mit Sandflächen strukturierte Biotope, in denen sich auch die von ihm bevorzugte Nahrung (Heuschrecken und weitere an Sandboden angepasste Insektenarten) wieder in ausreichender Anzahl ansiedeln konnten. Weitere bedrohte Arten der trockenen Sandheiden wie der Steinschmätzer, der Wiedehopf, das Schwarzkehlchen und der Raubwürger, aber auch Schlingnatter, Eidechsen und der Ameisenlöwe profitieren von diesen Maßnahmen.

Die Flächen sind nun „bezugsfertig“, beste Voraussetzung für den Brachpieper in der Nemitzer Heide. Ziel ist ein Anstieg der Brachpieper – Population auf 10 bis 20 Brutpaare. Jährlich wird das Brutgeschehen von unserem Büro begleitet und der Erfolg der Maßnahmen untersucht. Zusätzlich führen wir das Beringungsprogramm (individuelle Markierung mit Farbringen) am Brachpieper weiter. Damit wird die intensive Forschung zur Biologie des Brachpiepers des 2008 verstorbenen Biologen Dr. Frank Neuschulz in seinem Sinne fortgeführt.

Das Projekt endete im Februar 2013. Das Monitoring wird im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen von unserem Büro weitergeführt.

Im Jahr 2013 wurde von uns eine Heidestrukturkartierung auf allen landkreiseigenen Heideflächen durchgeführt. Mit den Ergebnissen wurden weitere Pflegemaßnahmen entwickelt sowie eine umfangreiche Datensammlung über Fauna und Flora des Schutzgebietes erstellt und dem Landkreis für weitere Pflegemaßnahmen zur Verfügung gestellt (Maierhofer 2014, Erarbeitung von Maßnahmenplänen für landkreiseigene Offenlandflächen im FFH- und EU- Vogelschutzgebiet „Nemitzer Heide“ 2013-2014, Lüchow, Gutachten für den Naturpark Elbhöhen – Wendland e. V.)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.